radio aporee ::: maps

(english & other versions coming soon...)

im (retrospektiven) focus dieser versuche liegt das magische auge des radioempfängers nordmende modell raumklang, dessen dicht geschichteten kurzwellen-skalen die erste karte waren: merkwürdige ortsnamen, sprache, geräusche, rauschen. hier ist der raum alles, denn die zeit lebt nicht im gedächtnis.

worte, stücke, stimmen

In jenem Reich erlangte die Kunst der Kartographie eine solche Vollkommenheit, dass die Karte einer einzigen Provinz den Raum einer ganzen Stadt einnahm und die Karte des Reichs den einer Provinz. Mit der Zeit befriedigten diese übermäßig großen Karten nicht länger, und man erstellte eine Karte des Reichs, die genau die Größe des Reichs hatte.
(Borges, Von der Strenge der Wissenschaft)

If the network is The Computer, then its motherboard is the crust of Planet Earth. This may be the single biggest drag on the growth of The Computer, because Mother Earth was not designed to be a motherboard. There is too much water and not enough dirt.
(Neal Stephenson, Mother Earth Mother Board)

Das Territorium ist der Karte nicht mehr vorgelagert, auch überlebt es sie nicht mehr. Von nun an ist es umgekehrt: Die Karte ist dem Territorium vorgelagert, ja sie bringt es hervor.
(Jean Baudrillard, Agonie des Realen)

given detachment and a careful angle, all destinations are predictable (...) and even though on any printed landscape, directions never tell you where to go, maps are an evening comfort to the traveller, a pencil line could quickly take him home
(fragment auf audio CD, im müll gefunden)

Zu Anfang allerdings ist da nicht viel: so gut wie nichts, nichts Greifbares, praktisch nur Unstoffliches: Ausdehnung, Außenwelt, das was außerhalb von uns ist, das, in dessen Mitte wir uns bewegen, die Umwelt, der Raum ringsum. Der Raum. Nicht sosehr die unterschiedlichen Räume, deren Schweigen, weil es anhält, am Ende etwas auslöst, das einer Angst ähnelt, auch nicht die fast schon domestizierten interplanetaren, interstellaren oder intergalaktischen Räume, sondern viel näher liegende Räume, im Prinzip jedenfalls: die Städte zum Beispiel oder das flache Land oder die Schächte der Untergrundbahn oder einer öffentliche Parkanlage.
(Georges Perec, Träume von Räumen)

Flächen sind Oberflächen von etwas: es sind Häute. Die traditionellen Flächen sind Oberflächen von Körpern. Die neuen Flächen sind Oberflächen von Begriffen. Die traditionellen Flächen sind Folge einer Bewegung vom Konkreten weg ins Abstrakte. Die neuen sind Folge einer Bewegung aus der letzten Abstraktion dem Konkreten entgegen. Wo diese beiden entgegengesetzten Häute zusammentreffen, dort stehen wir gegenwärtig.
(Vilém Flusser, Lob der Oberflächlichkeit)

... die Beschreibungen der Phänomenologen haben uns gelehrt, daß wir nicht in einem homogenen und leeren Raum leben, sondern in einem Raum, der mit Qualitäten aufgeladen ist, der vielleicht auch von Phantasmen bevölkert ist.
(Michel Foucault, Andere Räume)

Der von der Einbildungskraft erfaßte Raum kann nicht der indifferente Raum bleiben, der den Messungen und Überlegungen des Geometers unterworfen ist. Er wird erlebt. (...) In seinen tausend Honigwaben speichert der Raum die Zeit. Dazu ist der Raum da.
(Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)

Ich verlasse dich jetzt. Du mußt alleine weitergehen. Du sollst diese Stadt, die du nicht kennst, erforschen.
(Hans Henny Jahnn, Nacht aus Blei)

ein projekt von udo noll ©2006, 2007